Achim Stiermann

Volles Rohr

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Wie und als was funktionieren die Werke von Achim Stiermann? Diese Frage ist ebenso schwierig wie eine Einordnung in gängige künstlerische Agitationsfelder. Und auch er selbst lässt sich höchst ungern festlegbaren Kategorien zuordnen. Achim Stiermann arbeitet im Atelier genauso akribisch wie im öffentlichen Raum, er operiert transdisziplinär und als kreativer Experimentator im weitesten Sinn. Sein künstlerisches Handeln ist geprägt von Spontaneität und Hartnäckigkeit, Humor und experimenteller Neugier, sowie großer Präzision in der technischen Umsetzung seiner Vorhaben, die sich mit einer spürbaren Lust am Absurden mischt. Dies gilt für wohl alle Medien, die in seinen Projekten bislang Verwendung fanden: Für seine konzeptuelle Malerei und die kinetischen Objekte genauso, wie für die performativen Inszenierungen oder das Medium des bewegten Bildes. Stiermanns Ideen-Reservoir scheint noch längst nicht erschöpft, und das Spektrum der Formen, durch die Ideen zu Kunst werden, ist entsprechend groß.
Eins scheint jedoch allem Gezeigten gemein zu sein, dass dem Rezipienten mehr als nur eine analytische Betrachtung abverlangt wird. Das Werk spielt mit der Phantasie des Betrachters, ohne diese jedoch auszuspielen.
Und dort liegt auch das Hauptcharakteristikum Achim Stiermanns Schaffens: seine Werke funktionieren nicht nur, sie widmen sich dem Funktionieren an sich. Sie sind eine einfache Verknüpfung von alltäglichen Gegenständen, bei den kinetischen Objekten oft bunte Plastikstrohhalme, in einem sich bedingenden, ingenieurmäßig konstruierten Netz. Sie soll den Betrachter an den Rand seiner perzeptionellen Erfahrbarkeit bringen. Oft nicht ohne schmunzeln zu müssen, denn die im wahrsten Sinne des Wortes funktionierenden Objekte sind als Katalysator plötzlicher Emotionen und als außergewöhnliche Verbindung von Form und Inhalt zu begreifen. Der jeweilige Titel öffnet den Blick auf eine weitere Ebene und macht den paradoxen Funken, der zu diesem Werk führte greifbarer.

Achim Stiermanns Ausstellung im Höhmannhaus ist ein Gesamtkunstwerk ohne Pathos, das einen höchst originellen Querschnitt durch und Ausblick in sein nach vorn hin offenes Oeuvre darstellt. Ein Projekt, das, obwohl es oft Spaß beim Betrachter auslöst, ebenso zum Nachdenken anhält über gesellschaftliche Wünsche und Ansprüche bezüglich Leistung, Perfektion auf der einen Seite und die „Fehlerhaftigkeit“ des wirklichen Lebens auf der anderen.
Stiermann macht genau dieses Spannungsfeld zum Zentrum seiner künstlerischen Arbeit und würdigt dabei kreative Arbeit und kreativen Zufall in immer wieder neuen, überraschenden Facetten und in der größtmöglichen künstlerischen Intensität. Volles Rohr eben.