Provenienzforschung

Trinkschale
Trinkschale des Augsburger Goldschmieds Michael Mair, um 1700.

Seit 2001 wird in den Kunstsammlungen und Museen Augsburg Provenienzforschung betrieben. Mit der Hamburger Kunsthalle, dem Walraff-Richartz-Museum in Köln und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München waren die Augsburger Kunstsammlungen nach der Washingtoner Erklärung von 1998 und nach der Gemeinsamen Erklärung Bundesregierung, Länder und kommunale Spitzenverbände 1999 eines der ersten Museen, das Recherchen in Sachen Provenienz durchführte. Zunächst wurden die Kunstobjekte aus der Sammlung des umstrittenen Kunsthändlers Karl Haberstock, der während des Naziregimes eine wichtige Rolle im Kunsthandel einnahm, untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden Ende 2008 von dem Historiker Horst Keßler in einer vom Stiftungsamt der Stadt Augsburg finanzierten, umfangreichen Publikation veröffentlicht (Horst Keßler: Karl Haberstock. Umstrittener Kunsthändler und Mäzen, hrsg. von Christof Trepesch, München 2008).

Mit Unterstützung der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung in Berlin haben die Kunstsammlungen und Museen mit der Aufarbeitung des hauseigenen Bestandes begonnen. Von Juli 2009 bis Juni 2011 wurde ein Projekt in Angriff genommen, in dem die Unterlagen und Akten, die die hauseigenen Bestände betreffen, dahingehend untersucht wurden, inwiefern sich möglicherweise zu einzelnen Objekten Verdachtsmomente auf Provenienzlücken und unrechtmäßigen Erwerb ergeben. Das Forschungsprojekt „Erschließung und provenienztechnische Überprüfung der Objekte der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, die zwischen 1933 und 1955/60 angekauft wurden“ wurde von Horst Keßler in Zusammenarbeit mit der Kunsthistorikerin Verena Larbig durchgeführt. Sowohl die Forschungen zu den Objekten aus der Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung wie auch die zu den hauseigenen Beständen werden seit Oktober 2012 von den Kunstsammlungen und Museen mit Unterstützung des Stiftungsamtes fortgeführt.

Aufgrund der hausinternen Recherchen wurde im Frühjahr 2013 zu einer vergoldeten Trinkschale, die 1939 aus Besitz der jüdischen Familie Budge aus Hamburg zwangsweise versteigert wurde und die sich seither im Besitz der Kunstsammlungen und Museen befindet, eine Einigung mit der Erbengemeinschaft nach Emma Budge erzielt, nach der die Stadt Augsburg das Objekt nach Zahlung einer Summe in Höhe von 90.000 Euro behalten durfte.

Kontakt:

Horst Keßler M.A.
T +49 (0)821 324 4108
F +49 (0)821 324 4105
E horst.kessler@augsburg.de